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D. [wie Devil]
Monatsarchiv für August 2014
9 AugAller Anfang ist schwer

Hallo allerseits. Wir sind die Familie Müller. Ich heiße Peter Müller, bin 42 Jahre alt, Elektroinstallateur von Beruf; wir haben zwei Kinder, einen Hund, eine Katze, unser Sohn hat einen Hamster und unsere Tochter – die ist noch zu klein für ein Haustier. Wir sind gerade im Umzugsstress, die Hälfte der Vierzimmerwohnung mit fünfundachtzig Quadratmeter wurde bereits in die Kisten verpackt, und es bleibt noch eine Woche bis zu unserem großen Umzug. Wir freuen uns schon auf unser neues Zuhause – unsere eigenen vier Wände, zwei Etagen, plus Keller und Dachboden. Die Grundfläche verdoppelt sich, es gibt auch noch eine schöne Terasse, die in ein Garten mündet, dort will meine Frau, Irmgard, einen kleinen Teich. Ich bin eher für einen Pool, aber man hört Leute sagen, man bräuchte eine Einwilligung vom Stadtrat, denn alles, was von der Norm abweicht (sprich: Pool), muss gesondert genehmigt werden. Zumindest bis Google neue Fotos aufnimmt, danach kann man tun und lassen, was man möchte. Aber dies sind Kopfschmerzen von morgen, zuerst steht uns der Umzug bevor, danach alles Weitere.

Meine Tochter ist drei Jahre alt, sie kann bereits zählen, Schnürsenkel binden und nach Essen schreien, und das bei circa einhundertundvierzig Dezibel, zumindest gefühlt. Zwar schafft es der Flieger, sie zu übertönen, aber dies passiert ja nur zweimal die Stunde – die restliche Zeit muss man es einfach hinnehmen. Sie schaut dann einfach nach oben und zählt die Räder am Fahrwerk. Und betrachtet die Farbe der Einzelteile an der Unterseite des Fliegers. Danach läuft sie zu mir und schreit: „Papa, wenn ich groß bin, will ich auch ein Flugzeug!“ Aber Papa muss sich erst einmal um ein neues Eigenheim kümmern, und danach das Kind auf die Schule schicken, um sodann mit einem guten Abschluss das Kind zur Uni zu verabschieden. Aber dazu später mehr.

Vor drei Jahren, als unsere Tochter geboren wurde, war Mark sieben Jahre alt. Heute ist er zehn, und unsere fünfundsiebzig Quadratmeter sind inzwischen für uns alle zu klein geworden. Auch Rudi, unser Labrador, nimmt inzwischen nicht mehr nur das Wohnzimmer ein, sondern auch die anderen Zimmer der Wohnung. Daher haben wir unsere Sparverträge in ein Eigenheim umgewandelt, und ziehen jetzt aus dem geliebten Rheinfurt nach Hintertupfingen. Ich freue mich schon – endlich frische Luft, Landschaft wohin das Auge reicht und Ruhe, viel Ruhe. Keine Flieger, keine Züge vor dem Fenster, nur Weide. Einen Bach gibt’s auch. Eben ländlich. Und wunderschön.

Zusammen mit dem Eigenheim haben wir auch ein zweites Auto gekauft. Wir haben es uns ausgerechnet, dass die Benzinkosten, wenn diese so bleiben wie jetzt, bereits nach drei Jahren die Kosten für die Monatskarten decken werden. Achja, und vier neue Fahrräder, immerhin sind es gute drei Kilometer bis zum nächsten Tante-Emma-Laden. Nur für den Fall, dass wir schnell etwas brauchen. Es darf halt nicht am Sonntag sein. Und auch nicht am Samstagnachmittag, der Laden schließt bereits um zwei. Aber immerhin gibt es dort jeden Morgen frische Brötchen und hausgemachte Marmelade. Hildebrand Emmer, der der Laden gehört, hat unweit von unserem neuen Eigenheim ein Erdbeerfeld; die Erdbeeren, die am Tag nicht verkauft werden, landen eine Woche später in Einmachgläsern auf den Regalen.Und auch sonst gibt es dort von Artischocken, über Seife bis zu Zedernholzsohlen alles, was man für das ländliche Leben braucht.

Irmgard ruft, Lena hat mal wieder die Topfpflanze umgeworfen, und ich befürchte, Rudi ist auch nicht ganz unschuldig dran. Jetzt muss aber der Papa ran, denn die Sauerei muss aufgeräumt werden, bevor Mark mit seinen Inlinern alles durch die Wohnung schleppt, und Lala, unsere Katze, ihm dabei hilft.

Bald ist’s geschafft.